Ein TOR

Nein, es geht trotz WM nicht um Fussball. Es geht um die üblichen Verdächtigen: NSA, XKeyscore, Überwachung. Und um Anonymität, Privatsphäre und eben: um TOR.

Die Ausgangslage: NDR und WDR hatten Zugang zum Quellcode von XKeyscore. Daraus wurde ersichtlich, dass ein deutscher Student in den Brennpunkt einer NSA-Linse geraten ist. Spezifischer, sein Server, der als einer von weltweit neun TOR «Directory Authority» dient, von welchen TOR Clients jeweils die aktuelle Liste der verfügbaren TOR Server herunterladen.

Es ist schon viel darüber geschrieben worden, was diese Tatsache über die Paranoia der Geheimdienste (neben der Amerikanischen NSA setzen auch der Britische Geheimdienst GCHQ und offensichtlich auch der deutsche BND XKeyscore ein) aussagt. Zusammengefasst: Wer sich für das Anonymisierungsnetzwerk TOR interessiert ist verdächtig. Wer sich für TAILS interessiert ist verdächtig. Wer das Linux Journal liest ist verdächtig. Ne, wirklich.

Die Geheimdienste –  staatliche Institutionen, die der Verfassung unterstehen – stellen damit die Verfassung auf den Kopf. Wer sein in der Verfassung garantiertes Recht auf Schutz der Privatsphäre durchsetzen will ist verdächtig und will gegen den Staat und die Verfassung vorgehen. Diese Situation ist an Absurdität kaum zu überbieten. Und dennoch: es scheint niemanden zu kümmern! Und das ist das Tragische, das Frustrierende, das Empörende. Die Frage muss gestellt werden: Woran liegt das? Hat die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich kein Interesse an der eigenen Privatsphäre? Oder gewichtet sie den (vermeintlichen) Gewinn an Sicherheit aus der konstanten Überwachung höher als den damit einhergehenden Verlust von Freiheit? Wenn dem so ist, dann wäre das in einer Demokratie als Mehrheitsentscheid zu akzeptieren.

Oder?

Nein! In diesem Fall liegt die Mehrheit falsch. Die schweigende Mehrheit hat unrecht. Sie hat unrecht in der Sache und sie hat unrecht im Schweigen! Es ist an der Zeit, sich zu wehren; Kommunikation konsequent verschlüsseln, TOR Relay in Betrieb nehmen! Es ist an der Zeit, sich Gehör zu verschaffen. Das Schweizer Parlament wird sich in den nächsten Sessionen mit dem revidierten Nachrichtendienstgesetz und dem revidierten BÜPF befassen. Die meisten Parlamentarier haben ihre Informationen von den Geheimdiensten und leiden somit an einer einseitigen Sicht. Briefe schreiben! Emails schreiben!

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